Die Vorstadtkrokodile der Film

Der Kinderfilm Die Vorstadtkrokodile ist die Verfilmung des Kinderbuches Vorstadtkrokodile (1976) von Max von der Grün (1926-2005).

Die Vorstadtkrokodile sind eine Bande von Kindern, deren Eltern vorwiegend aus der Arbeiterschicht stammen. Im Buch nennt Max von der Grün als Handlungsort die Stadt Dortmund, im Film meldet sich die Feuerwehr mit „Feuerwehr Brüggen Bracht“, als Kurt dort anruft. Es werden auch Fahrzeuge der Stadt Nettetal und des Kreises Viersen am linken Niederrhein gezeigt, wo der Film gedreht wurde.

Die Bande hat sich ein Lager in einem wohnortnahen Wäldchen eingerichtet, das sie auch gegen potenzielle Eindringlinge wie den Förster oder Ausländerkinder (Zitat: „Scheiß Makkaronis!“) zu verteidigen sucht, ist ansonsten viel mit ihren Fahrrädern unterwegs und fordert von neuen Mitgliedern eine gefährliche Mutprobe: Deshalb muss der zehnjährige Hannes auf das Dach eines alten Ziegeleigebäudes klettern.

Mit dieser Szene beginnt der Film. Hannes rutscht auf dem Dach ab und kann sich vor dem Sturz nur durch einen Griff in die Dachrinne retten. Aus dieser misslichen Lage können ihn die Bandenmitglieder nicht befreien, und er droht abzustürzen. Kurt ruft die Feuerwehr, die Hannes auch gerade noch rechtzeitig retten und nach Hause bringen kann. Dabei kommt das Gespräch mit Kurt auf eine Einbruchsserie, die seit einiger Zeit das Wohngebiet beunruhigt. Doch ehe die beiden Jungen dieses Thema vertiefen können, musste Hannes nach Hause.

Nachdenklich geworden, möchte er Kurt auch mit den übrigen Krokodilern in Kontakt bringen und nimmt ihn zur Waldhütte mit. Doch der Rollstuhlfahrer wird zunächst von der Bande, die dem Wortführer Olaf folgt, strikt abgelehnt – nur Maria bricht plötzlich aus dem Gruppenzwang aus. Zusammen mit Hannes ermöglicht sie Kurt den Besuch im Waldhaus – kurz bevor es vom Förster und den Waldarbeitern abgerissen wird. Zu diesem Zeitpunkt haben Hannes und Maria aber schon so guten Kontakt zu Kurt, dass dessen Vorschlag, ein neues Lager auf dem Gebiet der alten Ziegelei einzurichten, tatsächlich angenommen wird.

Kurt, der durch sein Fernrohr einen der Einbrüche beobachtet hat, von denen zu dieser Zeit viel die Rede ist, hat die Krokodiler wohl gezielt auf das Gelände gelenkt: Er vermutet dort das Lager der Diebe und macht sich, kaum auf das Gelände gelangt, auf die Suche. Ausgerechnet ein abschüssiger Gang, in den er unabsichtlich hineingerät und aus dem er nicht mehr aus eigener Kraft herauskommt, führt zum Ziel.

Das Diebesgut ist tatsächlich auf dem Gelände der alten Ziegelei gehortet. Die Krokodiler, die Kurt schließlich aus seiner misslichen Lage befreien, beginnen nun natürlich über die Täter zu spekulieren. Der Verdacht der Erwachsenen hat sich längst auf das Ausländerquartier in der Nähe gerichtet, Kurt hat aber drei junge Männer mit Mopeds beobachtet und hegt den Verdacht, dass Egon, der ältere Bruder des Bandenmitglieds Frank, zu den Einbrechern gehört.

In der Annahme, dass die Diebe ihre Beute beiseite schaffen wollen, da sie durch die Anwesenheit der Kinder auf dem Ziegeleigelände beunruhigt sind, verstecken sich die Krokodiler an dem Tag, der ihnen am günstigsten scheint, in ihrem neuen Quartier: Während des großen Schul- und Vereinsfestes dürften sich die Einbrecher am sichersten fühlen. Tatsächlich tauchen sie auf dem Gelände auch auf – allerdings ebenso wie die Ausländerkinder, die die Gelegenheit wahrnehmen und aus dem schon halb beladenen Fahrzeug das Diebesgut ein zweites Mal stehlen.

Die Krokodiler geraten damit in einen Gewissenskonflikt: Einerseits wollen sie Egon nicht verraten, weil sie sich Frank gegenüber verpflichtet fühlen, seinen großen Bruder zu schützen, andererseits geraten nun die Ausländerkinder ins Visier der Polizei und der Presse, da bei ihnen Teile des Diebesgutes gefunden werden. So machen sie der Polizei gegenüber zunächst nur unvollständige Aussagen. Als aber Egon Kurt tätlich angreift und verletzt, will dessen Vater ebenfalls Anzeige erstatten. Kurt verhindert dies gerade noch auf dem Polizeirevier, erfährt aber bei dieser Gelegenheit, dass die Täter über das Fahrzeug ermittelt werden konnten.

Egon wird verhaftet, Frank versöhnt sich schließlich wieder mit Kurt, und der Schauplatz der dramatischen Geschehnisse, die alte Ziegelei, wird aus Sanierungsgründen gesprengt.

Im Film tritt das Thema Arbeitslosigkeit bzw. Arbeitsknappheit, das Max von der Grün ursprünglich noch durchaus beim Namen genannt hat, etwas in den Hintergrund. Von der Grün geht in seinem Buch auf die wirtschaftlichen Folgen für die Familien ein, die in einem gewissen Zusammenhang mit der feindseligen Haltung gegenüber den Gastarbeiterfamilien stehen, die Kinder wie z. B. Olaf von ihren Eltern übernehmen.

Die Ausländerkinder, die im Film gezeigt werden, stammen aus Italien (Zitat: „Die Itaker…“ – „Itaker sagt man nicht!“ – „Die Italienerkinder …“). Sie erfüllen das Klischee „Ausländer“ durch ihre dunkle Haarfarbe, treten immer in der Gruppe auf und werden bis zum Schluss von den Krokodilern nicht eigentlich als gleichberechtigte Individuen wahrgenommen. Zwar haben die Krokodiler und auch z. T. die Erwachsenen – so etwa Kurts Mutter – Gewissensbisse, als sie erfahren, dass die Kinder der Polizei in die Hände gefallen sind, obwohl sie ja „nur“ gestohlen haben, was andere schon vor ihnen gestohlen haben. Andererseits erfüllen sie durch diesen Diebstahl auch das Vorurteil des Großteils der Erwachsenen, die ja „die Ausländer“ immer schon im Verdacht hatten. Von Verständigungs- und Integrationsversuchen ist weder im Buch noch im Film etwas zu bemerken.

Kurt wird anfangs ausschließlich verächtlich und ablehnend behandelt und käme aus dieser Position auch nicht heraus, wenn er nicht zufällig den Anstoß zu der Suche nach den Dieben geben könnte. Er muss also eine besondere „Leistung“ bringen, um von den Krokodilern anerkannt zu werden. Auch von Erwachsenen wird er mitunter eher als Störfaktor empfunden; ein krasses Beispiel ist der Besitzer des Minigolfplatzes, der sowohl im Buch als auch im Film Kurt die Benutzung des Platzes untersagen will, weil die Rollstuhlräder seinen frisch eingesäten Rasen ruinieren. Max von der Grün lag die Thematik besonders am Herzen, da er das Buch Vorstadtkrokodile seinem eigenen behinderten Sohn gewidmet hatte.

Er scheut auch nicht vor heiklen Themen zurück; bekannt ist etwa die Szene, in der Kurt Wasser lassen muss. Allerdings ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Autor im Kinderbuch dann explizit von einer Querschnittlähmung spricht, die eine Lösung des Problems wie im Buch beschrieben und im Film gezeigt (das Kind wird einfach aus dem Rollstuhl in den Stand gehoben und kann dann „normal“ seine Blase entleeren) nicht erlaubt. Im Film wird Kurts Behinderung querschnitt gelähmt beim Namen genannt.

Maria ist eine starke Persönlichkeit. Ohne sie wäre es Hannes nicht gelungen Kurt in die Gruppe aufnehmen zu lassen. Ihre Stärke ist auch optisch sichtbar; Maria überragt die meisten Mitglieder der Bande um Kopflänge. Sie ist allerdings das einzige weibliche Mitglied der Gruppe.

Eine Schlüsselszene hierzu stellt der oben beschriebene Filmabschnitt dar, als Kurt seine Blase entleeren muss und nur sie den Mut hat Kurt die Hose aufzumachen, seinen Penis herauszufummeln und hinterher die Hose wieder zuzumachen. Sie schaut dabei provozierend in die Runde, welche sich beschämt abwendet und schließt die Hose mit einem hörbar kräftigem „ZIP“.

Im Vergleich etwa zu Kurts Mutter tritt sie gleichberechtigt auf, ist genauso vorlaut wie die männlichen Bandenmitglieder und kann sich auch körperlich durchsetzen.

Für die Darsteller der Kinder wurden aus 200 Schülern Laien ausgewählt, die – bis auf die ‘Kurt’-Darstellerin Birgit Komanns und Egon (Martin Semmelrogge) – allesamt aus der Umgebung des Drehorts Bracht stammen. Es handelt sich tatsächlich um Kinder aus dem Milieu, das Max von der Grün schilderte. Die Erwachsenenrollen wurden durchwegs mit namhaften Schauspielern besetzt.

Kurts Stimme synchronisierte Oliver Rohrbeck.

1981, vier Jahre nach Fertigstellung des Films, wurde noch einmal eine Dokumentation mit dem Titel Bleibt knackig, Freunde! über die damaligen Darsteller erstellt.

Der Film enthält unter anderem viele Lieder aus der LP Crime of the Century (School, Bloody Well Right, Rudy) von Supertramp, Fools von Deep Purple, Mistreated von Rainbow, Time has come today von den Chambers Brothers.

In der Szene, in der Frank die Krokodiler-Hütte auf dem Ziegeleigelände demoliert, hört man Ausschnitte aus Tales of Mystery and Imagination von The Alan Parsons Project.

Das Titellied ist Amada mia, amore mio von El Pasador.

Die Wohnhäuser und Straßenszenen wurden in Bracht und dem nahen Brüggen gedreht. Baumhütte: Pastors Weiher, Brügger Wald. Minigolfplatz: Hariksee (heute zurückgebaut). Schulfest: Schloss Krickenbeck (stand damals leer, heute als Tagungsstätte genutzt). Ziegelei: Stiegstraße, Bracht (authentischer Abriss im Film, heutiges Gelände: Fa. Gebr. Laumans GmbH & Co KG (Bedachungen, Dachziegel)).

1978 erhielt Max von der Grün den Preis der Prager Fernsehzuschauer und Wolfgang Becker die Goldene Kamera für die Regie in diesem Film. Gerade bei Erwachsenen, die in den siebziger Jahren Kind waren, sind die Vorstadtkrokodile nach wie vor beliebt; in entsprechenden Foren erscheint der Titel immer wieder auf der Wunschliste der Filme, die wieder einmal im Fernsehen gezeigt werden sollten. Kopien, auch auf DVD, werden hin und wieder über eBay gehandelt. Das Kinderbuch Max von der Grüns wurde und wird viel in Schulen gelesen, zunehmend auch über das Grundschulalter hinaus.

2 Antworten zu “Die Vorstadtkrokodile der Film”

  1. SAMUEL sagt:


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